Weihnachtsbrief
von Bischöfin
Cornelia Richter
Liebe Geschwister in Christus,
liebe Wegbegleiter:innen,
"Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."
(Lk 2, 10b.11)
„Fürchtet euch nicht!“ Der Satz gehört zu den häufigsten Sätzen in der Bibel, weil wir in einer
Welt leben, in der sich viele leider oft fürchten müssen. Das war zu allen Zeiten der Fall, wenn
auch aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlicher Intensität – seien es (sozial-) poli-
tische, wirtschaftliche oder persönliche: Schwere Erkrankungen, unerwarteter Verlust von An-
gehörigen, Freundinnen und Freunden, Tod und Trauer. Auch wenn wir an vielen Tagen fröhlich
durchs Leben gehen, füreinander da sind und einander stützen, Verantwortung übernehmen
und den Alltag zupackig bewältigen – es gibt trotzdem so vieles, was Menschen belasten und
das Herz schwer machen kann.
Wie gut, dass die biblischen Texte um all diese Seiten menschlichen Lebens wissen und uns in
so vielen Texten zusprechen: „Fürchte dich nicht!“ Es sind beruhigende, tröstende und aufmun-
ternde Worte. Bildhaft gesprochen könnte man fast meinen, Gott selbst streichelt einem dabei
sanft übers Haar. Einzigartig verdichtet sind diese Worte im Weihnachtsevangelium. In der Er-
zählung von dem Kind, das uns geboren wird. In einer Krippe in einem armseligen Stall, finster
und kalt, mit den Tieren als den ersten Zeugen dieser Geburt. Ob sich Maria und Joseph vor die-
ser Geburt gefürchtet haben? Ich könnte es mir vorstellen. Aber die Geschichte bleibt nicht bei
Angst und Furcht stehen. Sondern erzählt die wundervollste Geschichte überhaupt: Dass uns in
diesem Kind der Heiland geboren wird.
Und tatsächlich, genau das hat sich quer durch die Geschichte für so viele Menschen als ret-
tende Botschaft herausgestellt. Dass es immer wieder Zeiten gibt, in denen wir im Finstern wan-
deln, in denen wir kaum den Kopf heben können, in denen unsere Augen mit Tränen gefüllt sind.
Und in denen wir trotzdem, vielleicht am Anfang zaghaft, vielleicht völlig unerwartet neues Licht
sehen und Neues beginnen können. Gerade so, wie es bei Jesaja gesagt ist:
„1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im
finstern Lande, scheint es hell. […] 5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Va-
ter, Friede-Fürst“ (Jes 9).
Kommt, lasst uns diesen Trost und diese Zusage auch in unserer Zeit hören und in unseren Her-
zen bewegen. Denn sie geht einher mit der unbändigen, visionären Hoffnung auf Frieden, Ge-
rechtigkeit und ein – wie auch immer – erfülltes Leben. Hier. Heute. Mitten unter uns.
Mit der Ermutigung dieser Worte grüße ich Sie und Euch und wünsche von Herzen ein frohes
Weihnachtsfest: Gott segne Sie, Gott segne Euch!
Ihre/Eure Bischöfin Cornelia Richter